Wer von der Stadt einmal zu viel hat, was eigentlich selten der Fall sein sollte, dann hat man die Möglichkeit, innerhalb kürzester Zeit direkt in die Natur zu entfliehen. British Columbia (BC) sieht auf der Karte klein aus, ist aber mit seinen 948.596 qkm so groß wie Deutschland, Österreich, Frankreich, Belgien und den Niederlanden zusammen. Trotzdem hat BC nur etwas über 4 Millionen Einwohner, was sich bemerkbar macht. Es kann sein, das man während einer stundenlangen Autofahrt nur sehr wenige Menschen trifft. Seine Ruhe hat man hier allemal.
Die Reise beginnt
Mit einem Van sind wir von Vancouver los in den Norden gefahren. Mit Zelt und Schlafsack bestückt wollten wir direkt in die Berge. Ohne Angst vor Bären, die hier immernoch herumlaufen, machten wir uns auf eine zweiwöchige Reise durch die Natur von BC. Vorbei an Hope und entlang dem Fraser River, machten wir halt in Kamloops, um kurz noch ein paar Goodies zu kaufen, bevor es weitergeht zu einem abgelegenem Campingplatz mitten in den Bergen. Campingplatz sollte man jetzt nicht so verstehen wie die Plätze hier in Deutschland. Hier hat jeder seinen eigenen Bereich und es ist wirklich eine gute Basis, um von dort aus auf eigene Faust durch die Berge zu wandern. Einziges Manko, zumindest finanziell, ist das Feuerholz, welches nur käuflich zu erwerben ist. Privates Sammeln ist strengstens untersagt, was auch gut ist.
Wer etwas wirklich Schönes erleben will, der sollte sich den Wecker auf halb fünf stellen und dann zum Angeln an einen Gebirgsee gehen. Eingehüllt von Nebelwolken sieht man eine Landschaft, wie man sie nicht oft in seinem Leben sehen wird. Das Wasser ist glasklar und im Sommer auch warm zum baden. Allerdings sollte man immer Respekt vor der Natur haben und auch die Lautstärke etwas drosseln. Die Tiere haben sich zwar an die Menschen gewöhnt – unsere Freunde sind sie allerdings noch nicht.
Genau dieses habe ich erlebt, als wir unvorsichtigerweise die Essensreste vom Vorabend nicht richtig verstaut haben. Am nächsten Morgen machten sich zwei kleine Bären über unsere Vorräte her und verwüsteten quasi alles, was drum herum lag. Darum hier ein paar Tipps: Niemals im Wind sitzen, wenn Fisch zubereitet ist und auch niemals die Klamotten nach draussen zum Lüften hängen. Lebensmittel ins Auto in die Kühlbox tun und wenn doch mal ein Bär kommt – absolute Ruhe bewaren!
Die Fahrt entlang des Fraser Rivers ist eine der schönsten Strecken in BC. Man durchfährt kleine Dörfer, die dem Einfluss der Indianer zwar noch unterliegen, aber meistens nicht mehr sind, als Touristenorte. Die wahre Schönheit liegt in den Bergen und den Seen. Auch die Tiere (bitte nicht füttern!) sind ein Anblick und eine Rast wert. So kann es auch sein, dass man beim Nachtfischen auf eine kleine Gruppe Racoons (Waschbären) trifft. Die Natur ist so überwältigend, dass wir alle 2 Kilometer halt gemacht haben, nur um zu gucken. Einfach nur gucken.
Cariboo Country
Cariboo Country, wie das Herz von British Columbie genannt wird, ist die eindrucksvollste Natur im Westen Canadas. Mitten in den Rocky Mountains begegnet man hier immer wieder der Vergangenheit. So hat man zumindest das Gefühl bei der scheinbar unberührten Natur. Hier trifft man vor allem auf Rinder. Viele Rinder. Hier liegt auch die grösste Rinder-Ranch Nordamerikas mit 10.000 Rindern. Wer das einmal live erleben möchte, muss einfach die Gang Ranch aufsuchen. Sie liegt ca. 100 km südlich des Highway 9, in der Nähe von Riske Creek und Farwell Canyon. Übernachtungsmöglichkeiten sind vorhanden, falls man an einem Tag das Zählen der Rinder nicht geschafft hat.
Begleitet von den etlichen Country Music-Sendern lassen für uns von Tag zu Tag treiben und zählen nebenbei Elche und Rinder. Wir lassen uns abends Geschichten von Einwohnern erzählen und sitzen zwischenzeitlich nichtssagend am Lagerfeuer. Dazu gibt es selbstgefangenen Lachs und eine Dose gut gekühltes Bier. Man trifft auf der Reise viele Deutsche, die alle nur aus einem Grunde nach Canada kommen: Entspannung. Und die findet man hier en mass. Ich empfehle eine Spiegelreflex und mindestens 20 Filme, denn Fotos kann man hier überall machen und ich schaue mir meine nach acht Jahren immernoch gerne an.
Foto: Andy-Kim Möller – Fotolia.com


